Operetten-Lexikon

Die Carbonari

Operette in 3 Akten
Musik von Carl Adam Zeller
Text von Moritz West und F. Zell (eigentl. Camillo Walzel)
Uraufführung: 27. November 1880 im Carltheater in Wien (Österreich)

Im Jahr 1880 bringt Carl Zeller sein drittes Bühnenwerk heraus. Unter allen aufgeführten Bühnenwerken Carl Zellers gehört diese Operette zu den heute am schlechtesten dokumentierten Werken. Im handgeschriebenen Textbuch von Moritz West, welches Anfang November 1880 zur Zensur eingereicht wird, noch als komische Oper tituliert, kommt "Die Carbonari" laut Theaterzettel als komische Operette am 27. November 1880 am Carltheater in Wien unter der Direktion von Franz Tewele zur Uraufführung. Das Textbuch verfasst neben Zellers Jugendfreund Moritz West ein gewisser F. Zell. 

Vergleicht man die Handlung der 1884 uraufgeführten Operette "Gasparone" von Karl Millöcker mit Zellers "Die Carbonari" von 1880, so wird man starke Ähnlichkeiten im Textbuch und Handlungsablauf feststellen. Kein Wunder ist doch der zweite Textdichter Camillo Walzel auch am Textbuch  von "Gasparaone" vier Jahre später massgeblich beteiligt. Das Autoren-Duo Richard Genee und Camillo Walzel benützt ihnen als erfolgreich erscheinende Stoffe gerne mehrmals. Sie verändern oft nur Ort und Zeit der Handlung bzw. die Namen und Rollen der handelnden Personen.

Nach der Uraufführung wird Carl Zeller auf die Bühne des Carltheaters gerufen und nimmt dort, wie für einen erfolgreichen Operettenkomponisten üblich, den tosenden Beifall des Publikums entgegen. Dieser Vorfall zieht aber sechs Jahre später bei der Uraufführung von "Der Vagabund" einen Brief seines Vorgesetzten mit der Weisung nach sich, bei einem Erfolg der neuen Operette ein Erscheinen auf der Bühne unterbleiben zu lassen, da dies mit der Würde eines hohen Ministerialbeamten nicht zu vereinbaren sei. Ebenso wie die beiden früheren Werke des Komponisten verschwindet die Operette "Die Carbonari" nach wenigen Aufführungen und einer Umarbeitung in den Jahren 1881/82 durch Zeller persönlich unter dem neuen Titel "Capitän Nicol" für immer von den Theaterbühnen.

Rollen und Uraufführungsbesetzung

Conte Seneca da Ruffoli ... Karl Blasel
Clodia (Perdita Malachini), seine Tochter ... Frl. Horny
Duca di Gamba, neapolitanischer Gardekapitän ... Hr. Drucker
Kapitän Nicol, Kommandant der königlichen Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Klein
Bruto, Koch bei Ruffoli ... Josef Josephi
Zanetta, seine Frau ... Antonie Schläger
Pascariello, Carbonari ... Karl Streitmann
Sopracappo, Carbonari ... Hr. Müller
Brillante, Carbonari ... Hr. Rautzky
Bucca, Carbonari ... Karl Gross
Vedorello, Carbonari ... Hans Buchner
Bamboletti, Carbonari ... Hr. C. Fischer
Nägeli, Lieutenant von der Schweizertruppe in Ravello ... Franz Eppich
Dieterli, Sergeant von der Schweizertruppe in Ravello ... Ferdinand Kracher
Pfifficon, Sergeant von der Schweizertruppe in Ravello ... Hr. Hildebrandt
Bendeli, Trompeter von der Schweizertruppe in Ravello ... Franz Fischer
Uli, Pfeifer und Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Löwe
Sentisel, Pfeifer und Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Goldkern
Gittlis, Trommler und Soldaten von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Alt
Höpli, Trommler und Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Friedmann
Rapperswyler, Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Tauber
Kuschdacher, Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Nora
Appenzeller, Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Ambrosch
Thurgäuli, Soldat von der Schweizertruppe in Ravello ... Frl. Slama
Livietta, Carbonari-Frauen ... Frl. Blume
Flouvilla, Carbonari-Frauen ... Frl. Doste
Eltesso, Carbonari-Frauen ... Frl. Hofschüller
Semperonia, Carbonari-Frauen ... Frl. Dussetti
Vorsella, Carbonari-Frauen ... Frl. Pöckh
Bulsilla, Carbonari-Frauen ... Frl. Uebermasser
Nocciola, Carbonari-Frauen ... Frl. Grünfeld
Angela, Carbonari-Frauen ... Frl. Magnue
Aemitra, Carbonari-Frauen ... Frl. C. Schläger
Macca, Wirt ... Sigmund Bleibtreu
Erster Stadtsoldat ... Hr. Rust
Zweiter Stadtsoldat ... Hr. Friedheim

Carbonari, Schweizersoldaten, Masken, Dienerschaft des Conte.

Handlung

1. Akt: Platz im Zentrum von Ravello bei Neapel, 2. März 1821, Faschingsdienstag
General Squarisquari, selbst im Geheimen ein Unterstützer der "Carbonari", lässt öffentlich nach deren Anführer Nadacciu fahnden. Der neapolitanische Gardekapitän Duca di Gamba möchte um die Hand von Clodia, die Tochter des Conte Seneca, anhalten. In Squarisquari hat er aber einen Rivalen.
Eine Schweizertruppe unter Führung des berüchtigten Kapitän Nicol ist in der Stadt. Nicol ist als Weiberheld bekannt und in Neapel mit der Bankierstochter Perdita Malachini durch-gebrannt. Mit Perditas Pass reist nun aber Clodia, um Briefe zu Nadacciu nach Neapel zu bringen. Bei ihrer Rückkehr wird sie von den Schweizern gefangengenommen. Mit viel Wein macht sie die Schweizer betrunken und flüchtet. Nicol erfährt durch seine betrunkenen Männer von der entflohenen Perdita und möchte seine Geliebte wiedersehen.
Beim Karnevalsfest wird Clodia vom als Herz-König verkleideten Kapitän Nicol umarmt und geküsst, weil er sie für seine Geliebte Perdita hält. Der maskierte Nicol muss sich aber als Nadacciu ausgeben, um nicht als Weiberheld entlarvt zu werden. Mit Hilfe von Clodia kann Nicol im letzten Moment entfliehen.

2. Akt: Platz im Garten des Palazzo Ruffoli
Nicol flüchtet in den Garten des Pallazo Ruffoli. Gamba kommt ebenfalls in den Garten, um sich dort mit Clodia zu treffen. Als die Schweizer im Garten erscheinen und alles nach dem Nadacciu durchsuchen, verstecken sich Nicol und Gamba auf einem Baum. Ein Emmentaler-käse, welcher von den Schweizern im Palazzo gefunden wird, erweckt deren Heimweh und sie ziehen wieder ab.
Der Conte glaubt im verkleideten Nicol Nadacciu zu erkennen. Dieser spielt bereitwillig diese Rolle und ernennt den Conte zum Carbonari-Präsidenten von Ravello. Bei Clodia wiederum gibt sich Nicol als Gamba aus und verschwindet mit ihr im Palazzo. Gamba wird vom Conte mit Nicol verwechselt und als großer Anführer Nadacciu begrüßt.

3. Akt: Saal im Palazzo Ruffoli
Clodia bemerkt erst jetzt, dass sie nicht mit Gamba sondern mit einem Unbekannten, nämlich mit Kapitän Nicol, im Garten geturtelt hat. Dieser weigert sich aber zu gehen und als Bruto erscheint, flüchten sie in Clodias Schlafgemach.
Auch der Conte und der Gamba erscheinen im Saal und entdecken Nicol in Clodias Zimmer. Nicol gibt sich nun als Kommandant der Schweizertruppe zu erkennen. Endlich versöhnen sich Gamba und Clodia.
Kapitän Nicol erhält einen Brief, in dem steht, dass der gesamte Aufruhr rund um die "Carbonari" von Squarisquari selbst nur dazu inszeniert worden sei, um Clodia zu erlangen. Der General wird verhaftet. In Ravello gab und gibt es gar keine Revolutionäre.

Musiknummern

Ouvertüre (Orchester)

1. Akt
Nr. 1. Introduction und Ariette
            a) Chor ("Mit dem ersten Morgenstrahle")
            b) Ariette des Gamba ("Duca di Gamba ist mein Name")
Nr. 2. Entree der Quattro ("Komitee, komm her!")
Nr. 3. Agrumi von Zanetta und Clodia ("Wer geht am Abend gern an die See?")
Nr. 4. Entree Nicols ("Viva la cosa bella")
Nr. 5. Die Parole des Nicol ("Mädchen mit den Rabenlocken, was verbirgst du dein Gesicht?")
            Der Abmarsch der Schweizer ("Merkt euch, merkt euch die Parole")
Nr. 6. Quartett von Gamba, Clodia, Bruto und Zanetta ("Ich muß hinein, ich muß sie sprechen!")
Nr. 7. Finale
            a) Ensemble und Chor ("Er ist da, er ist da, er ist da!")
            b) Ensemble ("Wär es wirklich wahr?")
            c) Ensemble und Chor ("Danziam, danziam")

2. Akt
Entre-Act (Orchester)

Nr. 9. Gitanaliedchen ("Die Gitana hat ein Röcklein")
Nr. 9a. Hornfanfare
Nr. 10. Emmenthaler Reigen der Schweizer ("Herz, my Herz, was bischt so trauri")
Nr. 11. Lied des Gamba ("Ich hasse das ganze Poetengelichter")
Nr. 12a. Wiederauftritt der Carbonari ("Komitee, komm her!")
Nr. 12. Duettino des Nicol und Gamba ("Alle die Mädchen, die einst mich entzückten")
Nr. 13. Die Herausforderung des Gamba und Nicol ("Ha wollt Ihr Euch noch lang besinnen")
Nr. 14. Sorrentina des Nicol und Gamba ("Mir, Nina! Sage nicht nein!")
Nr. 15. Finale
            a) Clodia, Zanetta und Nicol ("Zehn Uhr! Es ist schon zehn!")
            b) Quintett des Nicol, Clodia, Zanetta, Gamba und Conte ("Dieses Flüstern hier im Düstern")
            c) Ensemble ("Frei und froh und drauf und dran!")

3. Akt
Entre-Act (Orchester)

Nr. 16. Arie der Zanetta ("O wie klingt es, o wie singt es und zum Herzen o wie dringt es")
Nr. 17. Kupferstich-Couplet ("So oft wir lebende Bilder machen")
Nr. 18. Ensemble ("Seht nur hin, mag der Signor dann sich selber stellen vor!")
            Szene des Nicol ("Ah! Endlich die Damen!")
Finale