Operetten-Lexikon

Gillette de Narbonne

Komische Oper in 3 Akten
Musik von Edmond Audran
Text von Henri Chivot und Alfred Duru
Uraufführung: 11. November 1882 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris (Frankreich)

Edmond Audrans Musik in seiner komischen Oper "Gillette de Narbonne" ist stark von der südfranzösischen Folklore beeinflusst, mit der er sich schon früh beschäftigt hat. Wie in keinem anderen seiner Werke drückt sie sich hier in den Rundtänzen, Soldatenchören und vor allem in den Trinkliedern und Spottversen aus.

Rollen

Graf Roger de Lignolle (Bariton)
König René (Bariton)
Prinz Olivier, dessen Sohn (Tenor)
Griffardin, Olivers Haushoflehrer
Gillette (Sopran)
Rosita, Gemahlin Griffardins (Sopran)

Bäuerinnen und Bauern, Damen und Herren am Hof, Offiziere und Soldaten

Handlung

1. Akt: In der Nähe von Aix en Provence, während des Krieges um das Königreich Neapel, um 1440
Gillette, die verwaiste Tochter eines berühmten Arztes, ist als Straßensängerin unterwegs. Sie hat kürzlich erst dem schwer erkrankten König René eine besondere Arznei überbracht, die ihn heilte. Deswegen ist er ihr zu großem Dank verpflichtet. In dem kleinen Ort trifft Gillette den Grafen Roger de Lignolle, den sie von früher her kennt und in den sie verliebt ist, wieder. Roger ist aber ein Haudegen, Glücksspieler und großer Weiberheld. Als nun der König mit seinem Gefolge in den Ort einzieht, will er Gillette jeden Wunsch erfüllen. Sie wünscht sich Roger zum Ehemann und unverzüglich findet die Trauung gegen den Willen des Auserwählten statt. Nach der Hochzeit macht sich der Bräutigam aber sofort aus dem Staube und geht zur Ehre seines Königs an die Front nach Italien. Seiner Gemahlin hinterlässt er nur einen Brief, in dem er ihr mitteilt, er werde sie erst dann als rechtmäßige Gattin anerkennen, wenn sie ihm einen gemeinsamen Sprössling schenke.

2. Akt:
Gillette reist ihrem Ehemann Roger nach Neapel nach und gibt sich in der Uniform eines Leutnants als ihr eigener Zwillingsbruder aus. Roger erkennt sie nicht und freundet sich mit dem lustigen Leutnant an. Dieser soll ihm sogar bei der Eroberung von Rosita, der verheimlichten Ehefrau des prinzlichen Haushoflehrers, behilflich sein. Gillette verabredet dafür ein nächtliches Stelldichein zwischen Roger und Rosita, schlüpft aber selbst in die Rolle der zu Erobernden. Im Dunkel der Nacht bringt sie ihren Gemahl zur Erfüllung seiner eigenen Forderung. Als am nächsten Morgen das feindliche Heer angreift, macht sich Roger erneut davon.

3. Akt:
Ein Jahr später soll auf dem Schloss des Grafen Roger de Lignolle das Kind der Gräfin Gillette getauft werden. Der Hausherr selbst ist aber nicht anwesend, denn er wurde in Italien gefangen genommen. König René bringt als Taufgeschenk den aus der Gefangenschaft freigekauften Grafen mit. Gillette behandelt ihren Ehegatten vorerst höflich und kühl. Als Gillette ihm dann ein Trinklied vorsingt, welches ihr angeblicher Zwillingsbruder in jener Nacht auch gesungen hat, erkennt der Graf, dass Gillette seine Forderung erfüllt hat.