Operetten-Lexikon

Volksoper Wien (Österreich)

Die Volksoper wird unter dem Namen "Kaiser-Jubiläums-Stadttheater" anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. durch die Architekten Franz Freiherr von Krauss und Alexander Graf errichtet. Am 14. Dezember 1898 wird sie als Sprechbühne eröffnet. Fünf Jahre später ab 1903 werden aber auch schon Opern aufgeführt. Am 10. Mai 1904 kommt mit Carl Zellers „Der Kellermeister“ erstmals eine Operette auf die Bühne. 1905 erfolgt dann die Umbenennung in "Kaiserjubiläums-Stadttheater Volksoper", 1907 in "Volksoper Kaiserjubiläums-Stadttheater" und ab 1908 firmiert das Theater nur mehr unter dem Namen "Volksoper".

"Tosca" (1907) und "Salome" (1910) haben an der Volksoper ihre Wiener Erstaufführung und weltbekannte SängerInnen wie Maria Jeritza, Leo Slezak oder Richard Tauber treten schon am Beginn ihrer Karrieren in der Volksoper auf. Alexander Zemlinsky wirkt hier als Dirigent und ab 1906 als erster Kapellmeister. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt sich die Volksoper zum Opernhaus.

Nach einem Konkurs im Jahr 1928 wird das Haus 1929 als "Neues Wiener Schauspielhaus" wiedereröffnet. 1934 debütiert Johannes Heesters mit Karl Millöckers "Der Bettelstudent" an der Wiener Volksoper. 1938 übernimmt die Stadt Wien das Theater und das Haus wird zur "Städtische Wiener Volksoper" und später in "Opernhaus der Stadt Wien" umbenannt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieg wird die Volksoper, nachdem ab dem 1. September 1944 Spielverbot für sämtliche Theater herrscht und einige Wiener Kinos durch Luftangriffe bereits zerstört sind, für mehrere Monate zum zweitgrössten Kino der Stadt Wien mit 1.550 Plätzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Volksoper neben dem Theater an der Wien Ausweichquartier für die zerstörte Staatsoper. Nach der Wiedereröffnung der Staatsoper 1955 wird die Volksoper wieder als selbständiges Musiktheater mit Oper, Operette und Musical geführt. Von September 1991 bis Juni 1996 gehört die Volksoper erneut zur Staatsoper, die Sänger werden für beide Häuser engagiert, die jeweiligen Spielpläne blieben unabhängig. Ab 1996 wird die Volksoper wieder eigenständig geleitet.

Die Volksoper ist heute nach der Staatsoper das zweitgrösste Opernhaus in Wien. Als einziges Wiener Theater widmet sich die Volksoper verstärkt dem Genre Operette. Auf dem Programm stehen neben Operette aber auch Oper, Musical, Ballett und Konzertveranstaltungen. Die Serie "Volksoper Spezial" bietet Soireen, Kabarettistisches und Parodistisches. In einer Spielzeit von September und Juni werden ca. 300 Aufführungen von rund 30 verschiedenen Produktionen geboten.

Direktionen

1898-1903 ... Adam Müller-Guttenbrunn
1903-1917 ... Rainer Simons
1917-1919 ... Raoul Mader
1919-1924 ... Felix Weingartner
1924 .............. August Markowsky und Fritz Stiedry
1925 .............. Hugo Gruder-Guntram und Leo Blech
1925-1928 ... Hermann Frischler
1929-1931 ... Jakob Feldhammer und Otto Preminger
1931-1933 ... Leo Kraus
1934-1935 ... Karl Lustig-Prean und Jean Ernest
1935-1938 ... Alexander Kowalewsky
1938-1941 ... Anton Baumann
1941-1944 ... Oskar Joelli
1946-1955 ... Hermann Juch
1955-1963 ... Franz Salmhofer
1963-1973 ... Albert Moser
1973-1986 ... Karl Dönch
1987-1992 ... Eberhard Waechter (von 1991-1992 auch Direktor der Staatsoper Wien)
1992-1996 ... Ioan Holender (auch Direktor der Staatsoper Wien)
1996-1999 ... Klaus Bachler
1999-2003 ... Dominique Mentha
2003-2007 ... Rudolf Berger
seit 2007 ...... Robert Meyer und Rainer Schubert

Uraufführungen

23.11.1911 ... Der Kuhreigen (Wilhelm Kienzl), Musikalisches Schauspiel
12.11.1912 ... Liebesketten (Eugen d'Albert), Oper in 3 Akten
06.12.1916 ... Das Testament (Wilhelm Kienzl), Musikalische Komödie
14.10.1924 ... Die glückliche Hand (Arnold Schönberg), Drama mit Musik
23.12.1934 ... Das ist die erste Liebelei (Edmund Eysler), Operette
09.10.1936 ... Auf der grünen Wiese (Jara Benes), Operette
05.03.1964 ... Frühjahrsparade (Robert Stolz), Operette
23.06.2002 ... Felix - Oder von einem, der auszog das Gruseln zu lernen (Max Nagl), Jazzoper

Literatur

Bachler, Klaus (Hrsg.): Die Volksoper - Das Wiener Musiktheater, Wien 1998.

Internet

volksoper.at