Operetten-Lexikon

Fantasio

Komische Oper in 3 Akten
Musik von Jacques Offenbach
Text von  Paul de Musset und Charles Nuitter
Uraufführung: 18. Januar 1872 in der Opéra-Comique in Paris (Frankreich)

Die komische Oper "Fantasio" von Jacques Offenbach wird erstmals am 18. Januar 1872 in der Salle Favart der Pariser Opéra-Comique aufgeführt. Das Textbuch von Paul de Musset und Charles Nuitter ist nach der gleichnamiger Komödie von Alfred de Mussets gestaltet. Offenbach komponiert "Fantasio" Ende 1869 und Anfang 1870. Im Juli 1870, mitten in den Proben zu "Fantasio" an der Pariser Opéra-Comique, beginnt der Deutsch-Französische Krieg. Das löst bei Offenbach, der nun sowohl von Deutschen als auch von Franzosen angefeindet wird, eine schwere Schaffenskrise und schwere gesundheitliche Probleme aus. Erst im November 1871 nimmt er die Proben zu "Fantasio" wieder auf. Das um pazifistische Passagen erweiterte Textbuch der Uraufführung unterscheidet sich nun wesentlich von der Fassung, die zwei Monate zuvor bei der Zensur eingereicht worden war. Die Uraufführung ist mit nur 10 weiteren Aufführungen ein Misserfolg. Das Publikum wollte nach dem Krieg keine pazifistischen Appelle hören. Auch die im selben Jahr aufgeführte Wiener Fassung ist nicht besonders erfolgreich. So verschwindet das Werk schnell von den Musiktheaterbühnen. Erst 2013 wird die Pariser Fassung wieder konzertant aufgeführt. 2014 kommt in Karlsruhe eine szenische Neufassung der komischen Oper auf die Bühne.

Rollen

Elsbeth, Prinzessin von Bayern (Sopran)
Fantasio (Mezzosopran oder Tenor)
Marinoni, Adjutant des Prinzen (Tenor)
Der Prinz von Mantua (Bariton)
Sparck, Student (Bariton oder Bass)
Der König von Bayern (Bass)
Flamel, Page der Prinzessin (Mezzosopran)
Facio, Student (Tenor)
Max, Student (Tenor)
Hartmann, Student (Bass)
Ein Büßer (Bariton)
Page (Sprechrolle)
Schließer (Sprechrolle)

Hofdamen, Hofherren, Bürger, Studenten (Chor)

Handlung

Bayern in einer märchenhaften Zeit

1. Akt: Platz vor dem Palast
Eine Hochzeit der bayrischen Prinzessin Elsbeth mit dem Prinzen von Mantua soll den drohenden Staatsbankrott und den Krieg zwischen den beiden Ländern abwenden. Der verschuldete ewige Student Fantasio lauscht unter dem Schlossfenster dem Gesang der Prinzessin, die sich vor der Begegnung mit dem unbekannten Prinzen fürchtet. Fantasio beschließt, sich als Hofnarr zu verkleiden, um zur Prinzessin ins Schloss zu gelangen. Der Prinz von Mantua hat die großartigen Idee, mit seinem Adjutant Marinoni die Kleider zu tauschen, um seiner Braut zunächst unerkannt zu begegnen.

2. Akt: Palastgarten
Am nächsten Morgen stellt der König seiner Tochter Elsbeth den Bräutigam vor. Er ahnt nicht, dass es sich gar nicht der Prinz, sondern dessen Adjutant ist. Der echte Prinz verliebt sich in die Prinzessin. Er nähert sich ihr in tollpatschiger Weise und wird von ihr und vom König brüsk abgewiesen. Fantasio als Hofnarr verkleidet prophezeit der Prinzessin, dass sie in der erzwungenen Ehe unglücklich sein werde. Er kann sie überreden, sich nicht zu fügen. Bei der Zeremonie macht Fantasio den vermeintlichen Prinzen zum Gespött des versammelten Hofstaates, indem er ihm die Hosen herunter zieht. Der Hofnarr soll bestraft werden.

3. Akt: Gefängnis und Platz vor dem Palast
Bayern ist bankrott. Studenten rufen das Volk zum Krieg gegen Mantua auf. Als Fantasio eine Rede gegen den Krieg und für das Narrentum hält, wird er zum Anführer ausgerufen. Fantasio fordert den Prinzen zum Duell. Dieser will seinen Adjutanten als Stellvertreter vorschicken. Der weigert sich aber. Fantasio sagt, wenn ihm nach Kampf zumute sei, solle er diesen persönlich ausfechten, und nicht das Volk bluten lassen. Der Prinz von Mantua hat ein Einsehen und Fantasio wird in den Adelsstand erhoben.