Operetten-Lexikon

Venus in Seide

Operette in 3 Akten
Musik von Robert Stolz
Text von Alfred Grünwald und Ludwig Herzer
Uraufführung: 10. Dezember 1932 im Stadttheater Zürich (Schweiz)

Diese am 10. Dezember 1932 in Zürich uraufgeführte Operette von Robert Stolz ist eine typische klassische Gesangsoperette mit verschwenderischer Musik, üppigen Ensembleszenen, großen Chorsätzen und Finali. Das Textbuch war eigentlich für Emmerich Kalman vorgesehen, was man diesem Bühnenwerk auch anmerkt. Die Handlung dieser Verwechslungskomödie von Alfred Grünwald und Ludwig Herzer lässt die Stimmung einer schon zur Zeit seiner Uraufführung lange vergangenen Epoche wieder aufleben. Das Bühnenwerk gehört zu den musikalisch aufwendigsten Operetten von Robert Stolz und wird heute leider nur mehr selten gespielt. 

Rollen

Fürstin Jadja Milewska-Palotay
Fürst Stephan Teleky / Der Fremde
Baron Vilmos Oroszy, Obergespan
Jozsy, sein Sohn
Komtesse Mizzi Pottenstein-Oroszy, Oroszys Nichte
Der andere Fremde (Rozsa Sándor)
Ladislaus von Köröshazy, Dragonerleutnant
Komtesse Piroschka
Der Pfarrer
Bambuschek, der Wirt

Damen und Herren, Gäste, Zigeuner, Dienerschaft und Landbevölkerung.

Handlung

In Ungarn, um 1830

1. Akt:
Schon seit längere Zeit möchte der Graf Stephan Teleky "sein" Schloss wieder in Besitz nehmen, aber Fürstin Jadja weigerte sich, das in "ihrem" Besitz befindliche Schloss zu räumen. Vor Gericht hat der Graf ein von Hans Makart gemaltes Bild Jadjas präsentiert, welches sie als „Venus in Seide“ zeigt und beschuldigte sie, sich das Erbe nur mit ihrer Schönheit erschlichen zu haben. Die verwitwete Fürstin Jadja Palotay gibt auf dem ungarischen Schloss ein großes Fest. Sie will an diesem Abend ihre Heirat mit Jozsy Oroszy, dem Sohn des einflussreichen Baron Vilmos Oroszy, verkünden. Statt des zukünftigen Ehemannes erscheint aber ein Fremder und bringt die Nachricht, dass Joszy vom Räuberhauptmann Rozsa Sándor entführt worden ist. Baron Oroszy schickt darauf den Dragonerleutnant Ladislaus von Köröshazy mit seinen Soldaten los, um nach Jozsy zu suchen. Der Fremde, eigentlich Graf Teleky, ist entschlossen, sich nicht nur das Schloss zurückzuholen, sondern auch die Liebe von Jadja, der "Venus in Seide", zu gewinnen.

2. Akt:
Plötzlich erscheint ein zweiter Fremder, der sich als Graf Stephan Teleky, der Sohn des ehemaligen Schlossbesitzers, vorstellt. Dieser zweite Fremde ist in Wirklichkeit aber der richtige Räuberhauptmann Rozsa Sándor, der als eine Art ungarischer "Robin Hood" in der Umgebung des Schlosses sein Unwesen treibt. Er gesteht Teleky, den jungen Oroszy entführt zu haben und mit dem erbeuteten Hochzeitsschmuck untertauchen zu wollen. Graf Stephan Teleky verrät ihn aber nicht, sondern fordert von ihm die Herausgabe des Schmuckes. Um Mitternacht behauptet dann der richtige Graf Teleky, der Räuber Rozsa Sándor zu sein und wirbt leidenschaftlich um Jadja. Als Beweis hat er ja den gestohlenen Hochzeitsschmuck. Jadja verfällt seinem ungestümen Draufgängertum und lässt sich gleich vom anwesenden Pfarrer mit ihm verheiraten.

3. Akt:
Teleky bringt Jadja in ein inszeniertes Räuberlager und spielt dort weiterhin den Hauptmann. Baron Vilmos Oroszy will, um seinem Sohn doch noch die Fürstin zu verschaffen, die ganze Räuberbande festnehmen lassen. Erst jetzt erfährt die Jadja, dass sie den rechtmäßigen Schlosserben Graf Stephan Teleky geheiratet hat. Sie verzeiht ihm, weil sie nicht mehr ohne ihn leben kann. Joszy Oroszy tröstet sich mit Komtesse Piroschka. Auch der Dragonerleutnant Ladislaus von Köröshazy kommt endlich mit seiner Komtesse Mizzi zusammen. Und der Räuber Rosza Sándor wird natürlich begnadigt.